The bear went over the mountain...

... and this is what she saw. My year in Seoul, South Korea.

Shoko, me and snowflakes


21 December, 2005

seit dem 15.

Was macht man in der letzten Woche in einem Land, das für elf Monate eine Heimat war (und es auch bleiben wird, denn das Herz bleibt irgendwie hängen)?

15.12.
10:00-13:00 letztes Seminar
13:00-13:45 Mittagessen mit Freundinnen aus Seminar
15:00 Verabredung mit Seungbin, der am nächsten Tag für zwei Monate nach Florida geht
14:20 Seungbin schreibt SMS, dass man sich erst um 15:30 trifft, da er noch zu tun hat. Ich bin aber schon unterwegs.
14:30 Ankunft am verabredeten Treffpunkt. Finde Weihnachtsgeschenke für Seoyoung (war das letzte, das ich noch gebraucht habe) und für die Großkatzen (die werden runde gelbe und grüne Augen machen!), bestaune Poster für den Film Typhoon natürlich mit meinem Liebling Jang Dong-Gun, gehe zur Bank, ratsche mit einer Ajuma in einem kleinen Supermarkt, und gehe dann zurück zum verabredeten Treffpunkt.
15:40 Seungbin kommt. Er entschuldigt sich vielmals, dass er so spät ist. Es macht mir nichts aus. Ich bin der Meinung, dass ich nach Korea auswandern muss, denn auch ich komme eigentlich immer mindestens 15 Minuten zu spät. Deshalb habe ich nichts dagegen, dass andere zu spät sind, und hier fühle ich mich wohler, weil ich nicht immer unter Zeitdruck stehe. Ja, man sagt, das Leben in Korea sei hektisch, aber da es den Freunden nichts ausmacht, dass man sich verspätet, habe ich nicht immer ein schlechtes Gewissen, fühle mich also entspannter.
Wir fahren zum Seoul Tower, der jetzt N Seoul Tower heißt, wobei das N anscheinend für "New" steht (der Turm wurde in den Monaten von April bis Oktober renoviert). Auf den Tickets, die als Eröffnungsangebot nur den halben Preis kosten (3500 Won) ist hintendrauf Werbung für Typhoon, als ich es entdecke, rufe ich laut und begeistert "Jang Dong-Gon!" und die Umstehenden drehen sich nach der Verrückten um.
Seungbin freut sich über die Starbucks-Tasse, die ich ihm gebe.
18:30 KISA (Korean International Students Association) trifft sich, um einen letzten Abend gemeinsam zu feiern. Wir gehen Schweine-Barbecue essen, trinken dazu Soju (natürlich). Danach gehen wir bowlen (nicht zu verwechseln mit Bowle trinken, was auch nicht schlecht gewesen wäre...) und noch ins Noraebang. Sangjin wünscht mir noch nicht frohe Weihnachten, weil er mich nächste Woche nochmal treffen will.

16.12.
11:30 KISA hat von der Eigentümerin des Prince-Hotel, die auch ein sehr elegantes Restaurant und ein Gebäude besitzt, einen Raum geschenkt bekommen. Sie hat einige Zeit in den USA verbracht und findet die Aktivitäten, die KISA macht, sehr gut. Der Raum wird eingeweiht und wir sind danach mit Politikern und anderen wichtigen Persönlichkeiten der koreanischen Gesellschaft zum Essen in eben dem guten Restaurant eingeladen. Ein sehr netter Koreaner sitzt mir gegenüber, der der Präsident einer Versicherungsgesellschaft ist.
15:00 KISA geht zur Schule für nordkoreanische Flüchtlinge (siehe dieser Eintrag), wo wir mit den "Kindern" Speisen aus unseren Heimatländern kochen. Bei mir gibts Kaiserschmarrn (oh lecker!) mit eingelegten Pfirsichen. Das Mädchen, dass mir beim Zubereiten hilft, stöhnt darüber, wie lecker es aussieht und wie hungrig sie ist. Ich stimme ihr zu.
19:00 Treffen mit vielen Freunden in Nokdu. Wir gehen "spielen", wie die Koreaner sagen. Bonnie, Hitomi, Jongmi, Sain, Seoyoung, Jiyoung, HyunJeon und Ara wollen mich nächste Woche nochmal treffen.
Wir essen Barbecue, trinken viel Soju (besonders ich), gehen in eine Bar, trinken Bier, gehen in eine andere Bar, trinken mehr Bier, gehen ins Noraebang, trinken noch mehr Bier.
3:00 in der Nacht - Ich komme ein wenig *hüstel* angesäuselt nach Hause, finde Christine im Zimmer inmitten von riesigen Kisten sitzend vor. Sie fliegt zwar erst am 23. nach Kanada, geht aber morgen schon zu ihrem Großvater nach Hause, wo sie die letzte Woche verbringen wird. Wir unterhalten uns noch eine Stunde, dann falle ich ins Bett.

17.12.
Muss ganz früh aufstehen (Christine weckt mich netterweise, sie hat die ganze Nacht nicht geschlafen, weil sie noch fertig gepackt hat) um mich mit Seoyoung zu treffen. Sie freut sich über ihr Geschenk, das sie natürlich aber erst an Heiligabend öffnen darf. Wir schauen uns Typhoon an. Wir essen zusammen Mittag, dann fahre ich nach Hause, wo ich HyoRyung ihr Weihnachtsgeschenk gebe und von ihr etwas bekomme. Auch sie ist beschäftigt mit Packen, denn ihre Tante wird sie abholen, damit HyoRyung ihre Sachen über den Winter bei ihr einlagern kann. Ich helfe den beiden, Kisten und Koffer ins Auto zu tragen, dann verabschiede ich mich und bin ein bisschen deprimiert, weil Christine und HyoRyung auf einen Schlag weg sind. Mein Zimmer ist leerer als es sein sollte.
Den Abend verbringe ich ruhig zu Hause, telefoniere mit Christina und schreibe Emails und auf dem Blog.

18.12.
Ich schlafe lange und treffe mich dann mit Sain zum Abendessen. Wir gehen noch einen Kaffee trinken und unterhalten uns lange und ausgiebig. Ich gebe Sain ihr Weihnachtsgeschenk, das darf sie aber erst am 24. öffnen.
Ich fange an, Sachen auszusortieren, die ich nicht mehr brauche.

19.12.
12:00 Ich treffe mich zum Mittagessen in Nokdu mit HyunKyung und Jong-U, sie geben mir einen kleinen Bilderrahmen mit einem Bild von sich. Süß!
Ich fahre nach Hause, wo ich den ersten Packdurchlauf starte. Dabei muss ich feststellen, dass ich ca. zehn Kilo zu viel habe, deshalb werde ich noch etwas heimschicken. Jongmi ruft mich an, dass sie abends keine Zeit hat, sie mich aber unbedingt noch sehen will, also verschiebe ich das geplante Treffen mit Bonnie und Hitomi auf Dienstag Mittagessen.

20.12.
13:00 Ich treffe Jongmi, Bonnie und Hitomi, wir essen zu Mittag. Vorher gebe ich mein Paket auf, wo ich mit schwerem Herzen auch das gewichtige Harry-Potter-Buch hineingebe.
18:00 Frau Chon hat Gitte und mich zum Abschiedsessen eingeladen. Soyoung (Frau Lee) kommt auch mit, wir gehen in ein feines Restaurant.
Tollpatschigkeit ist ein Gen, das man nicht los wird. Wenn man es nicht selbst tut, tun es andere für einen:
Zuerst sitze ich in Frau Chons Büro, weil die anderen noch nicht da sind. Frau Chon hat viele Bücher in vielen Regalen, und ich sitze sehr eng an den letzteren. Ich hebe die Arme, um die Haare zusammenzubinden, stoße an ein Buch und es fällt hinunter (auf meinen Kopf). Weil ich es festhalten will, stoße ich mit dem anderen Ellbogen an ein anderes Buch, das auch runterfällt. Eine Kettenreaktion wird ausgelöst, und viele Bücher fallen auf mich drauf. Das ist wie im Film, wo alle Leute lachen, nur dass ich keine Regieanweisung brauche, um in so eine Situation zu kommen. Soviel zum eigenen Tun. Im Restaurant dagegen löffele ich gerade Suppe, als die Bedienung vorbei kommt. Da ich am Boden sitze und der Ellbogen (ich glaub, ich hab einfach zu viele davon!) in ihre Richtung herausragt, stößt sie mit dem Knie dagegen und die Suppe vom Löffel landet mit einem Platsch in meinem Gesicht. Sie entschuldigt sich vielmals, aber ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen. Das Leben ist ironisch!
20:00 Ich komme nach Hause und wasche ein letztes Mal meine Wäsche.

21.12.
7:30 Ich werde von meinem Handy aufgeweckt (Nina kann ein Lied von dem Klingelton singen). Ich mache mich fertig und gehe ein letztes Mal in der Mensa frühstücken. Dann drucke ich Yunes Passkopie, die sie mir per Email geschickt hat, aus und fahre zum Telefonanbieter. Ich kündige ohne Probleme meinen Vertrag.
11:30 Ich warte in der größten Mensa auf dem Campus auf Sangjin. Da ich über das Handy nicht mehr zu erreichen bin, und er nach 15 Minuten immer noch nicht kommt, rufe ich ihn über eine Telefonzelle an, um sicherzugehen, dass er mich nicht vergessen hat. Er hatte mir eine SMS geschrieben, die ich natürlich nicht mehr bekommen habe, dass er sich verspäten wird.
12:00 Sangjin kommt und wir essen zusammen Mittag. Ich gebe ihm meine Kopierkarte, wo noch ein bisschen Geld drauf ist, und Erdnüsse, die ich nicht mehr aufessen konnte.
Als wir uns verabschieden, wünschen wir uns diesmal frohe Weihnachten.
13:00 Ich warte vor dem Spracheninstitut auf Bonnie, die mein Handy vermacht bekommt. Ich begleite sie, Jongmi und Hitomi (die wieder extra hergekommen ist, um mich nochmal zu sehen) zum Mittagessen.
15:00 Ich fahre nach Hause. Dort räume ich weiter in meinem Zimmer rum, fege und wische den Boden und sortiere mehr Sachen aus, die ich nicht mehr brauche und im ersten Stock in die Kiste stelle, wo man Dinge spenden kann. Als ich damit fertig bin, habe ich noch zwei Stunden Zeit, bis ich mich mit Freunden treffe. Ich schreibe meiner Mutter eine ellenlange sinnlose Email und beschreibe aus Langeweile die letzte Woche meines Lebens in Seoul hier auf meinem Blog.
18:16 Ich bin damit fertig, denn jetzt muss ich außer Haus gehen, um mich um 19:00 in Nokdu mit Jiyoung, Ara, HyunJeon, Sain, Seoyoung und Wonyoung zu treffen.

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